Nach Saisonabbruch bei Floorball Deutschland: „Unsere Mentalität wird sich nicht ändern“ (Teil 2)

Da geht's lang: Teamgeist, Aggressivität und Tempo sind die Tugenden, die Jean-Francois Boucher den Donau Floorballern vermitteln will. (Foto: Laura Olenik)

Bayern – Mit der Entscheidung Floorball Deutschlands, seine Saison abzubrechen, endete Anfang März auch für mehrere bayerische Mannschaften ihre jeweilige Bundesliga- beziehungsweise Pokalspielzeit. Wie es bis dahin lief, welche Erkenntnisse sie aus den wenigen sportlichen Auftritten zogen und wie sie nun in die Zukunft blicken, dazu haben die beteiligten Trainer in jeweils drei Fragen kurz Auskunft gegeben. Diesmal mit: den Zweitligaherren von Donau Floorball, des FC Stern München und der Erstligamannschaft der Red Hocks Kaufering.

Jean-Francois Boucher (Zweitligatrainer bei Donau Floorball)

Servus Jean-Francois, deine Debüt-Saison als Floorball-Trainer ist mit drei Spielen – zwei Zweitligasiegen über Feuerbach und Rennsteig sowie einer Pokalniederlage gegen Dresden – sehr kurz ausgefallen. Welche Eindrücke hast du dabei gesammelt?
Boucher: „Ich muss ehrlich sein und ich habe nicht erwartet, dass Floorball, das Spiel, so schnell geht. Es wird oft gesagt, dass Eishockey die schnellste Sportart der Welt ist, aber Floorball kann nicht weit dahinter sein (schmunzelt). Es war auch interessant zu sehen, wie stark wir in unsere Spiele gestartet sind und gezeigt haben, dass wir hier unser System und die Art und Weise, wie wir spielen wollen, umsetzen.“

Derzeit bleibt als Trainer statt geliebter Praxis nur ganz viel Theorie und Planung. Wie nutzt du diese Zeit?
Boucher: „Richtig, da wir nicht üben können, müssen wir andere Wege finden, um uns zu verbessern. Fitness ist für uns bei Donau Floorball ein wichtiges Thema, und die Spieler haben sich vorgenommen, in Topform zu bleiben, bis wir wieder spielen können. Außerdem konnte ich mit Hockey Coach Vision tiefer in die theoretische Seite des Spiels eintauchen. Die Software ist ursprünglich für Eishockey gedacht, aber ich habe festgestellt, dass das Zeichnen meiner Spielzüge in der App und das sofortige 3D-Rendering mir den Übergang vom Eis auf das Floorball-Feld erleichtert.“

Wenn es wieder losgeht: Wie wird der Floorball aussehen, den Eure Mannschaft unter deiner Führung spielen wird?
Boucher: „Wir spielen als Team, schnell, aggressiv und wissen, wenn wir uns an unser System halten, werden wir am Ende des Spiels als Sieger hervorgehen. Diese Mentalität wird sich nicht ändern…“

Foto: Laura Olenik

 

Jann Zurbuchen (Trainer der Zweitliga-Männer des FC Stern München)

Servus Jann, mit einem 10:5 gegen Rennsteig und einem 13:1 über Feuerbach hat Euer Stern zum Zweitliga-Comeback schon recht hell geschienen. Reichen diese beiden Spiele, um sich wieder in der Zweitklassigkeit angekommen zu fühlen?
Zurbuchen: „Unser Ziel ist es, uns in den kommenden Jahren in der zweiten Liga zu etablieren. Vor allem der Sieg gegen Rennsteig, ein Gegner der uns in der Vergangenheit schon oft vor Probleme gestellt hatte, zeigte auf, welches Potential in unserer Mannschaft steckt. Nach dem Abstieg aus der 2. Liga (2018/19, d. Red.) haben einige etablierte Spieler ihre Karriere beendet oder sind kürzer getreten. Wir haben jedoch die Regionalliga-Saison genutzt, um Spieler direkt aus der U15 in den Herrenkader zu integrieren. Hinzu kommt, dass Spieler, welche bereits Zweitliga-Erfahrung aufweisen, nun in jungen Jahren schon sehr viel Verantwortung übernehmen müssen. Zudem hatte ich als Trainer die Möglichkeit, in der Regionalliga meine Spielidee den Jungs näherzubringen und konnte einiges ausprobieren. Das alles führt dazu, dass wir uns nicht nur in der 2. Liga angekommen fühlen, sondern wir bereit für die anstehenden Aufgaben sind.“

Im Pokal ging es deutlich knapper zu. Das 8:7 nach Verlängerung gegen den gestandenen Zweitligisten Dümpten darf man sicher als gelungenen Härtetest bezeichnen. Das 7:6 in Overtime gegen Regionalligist Tübingen/Karlsruhe liest sich da schon wackliger. Was wäre diese Saison drin gewesen?
Zurbuchen: „Das Spiel gegen Dümpten war für uns auf jeden Fall das Highlight der Saison. Die Partie zeigte, dass wir uns auch gegen vermeintlich stärkere Gegner durchsetzen können. Die Mannschaft hat in dieser Partie um jeden Zentimeter gekämpft und stets ans Weiterkommen geglaubt. Der Overtime-Sieg gegen Tübingen/Karlsruhe war hingegen nicht das Gelbe vom Ei.  Im Gegensatz zum Dümpten-Spiel zeigte das Team, dass doch noch
einiges an Erfahrung fehlt. Statt sich auf einen starken Regionalligisten, der komplett unterschätzt worden ist, einzustellen, haderten die Spieler lieber mit den Schiedsrichtern, dem Boden, der Bande, der Hygienevorschriften usw. Zum Glück hatten wir in den entscheidenden Momenten die individuelle Klasse, welche uns das Weiterkommen sicherte. In der nächsten Runde hätte es ein Derby gegen die Kauferinger gegeben. Das wäre auf jeden Fall für das Team eine tolle Möglichkeit gewesen, sich einmal gegen einen Erstligisten beweisen zu können. Leider ist es der Pandemie wegen abgesagt worden.“

Dem Vernehmen nach sieht das Teilnehmerfeld der 2. Liga Süd/West in der kommenden Saison deutlich verändert aus – Feuerbach zieht zurück; Calw, Mainz und Erlensee rücken wohl nach. Deine erste Einschätzung?
Zurbuchen: „Es ist auf jeden Fall eine bessere Ligazusammensetzung als noch in der letzten Saison mit lediglich vier Gegnern. Wie stark die einzelnen Teams sind, kann ich noch nicht einschätzen. Ich hoffe auf möglichst viele starke Gegner, damit wir uns in jedem Spiel verbessern und weiterentwickeln können.“

 

Bleiben heiß: Für Markus Heinzelmann und die Red Hocks Kaufering laufen die Vorbereitungen auf die nächste Erstligasaison. (Foto: Finkenzeller)
Bleiben heiß: Für Markus Heinzelmann und die Red Hocks Kaufering laufen die Vorbereitungen auf die nächste Erstligasaison. (Foto: Finkenzeller)


Markus Heinzelmann
(Trainer des Erstligisten Red Hocks Kaufering)

Servus Markus, nach vier Spielen ist die Bundesliga-Saison für Euch schon wieder vorbei. Punkte gab’s dabei keine. Wie lief es bis dahin?
Heinzelmann: „Ein paar Punkte hätte es schon sein können. Das macht uns aber alle heiß zu zeigen, dass wir es besser können, als es das Punktekonto vermuten lässt.

Wann war für dich klar, dass aus dem Saisonunterbruch ein -abbruch werden würde? 
Heinzelmann: „Ende Januar.“

Schau mal bitte in die Glaskugel: Startet Ihr im September in eine Bundesligasaison unter Rahmenbedingungen, die mit jenen bis Frühjahr 2020 noch vergleichbar sind? 
Heinzelmann: „Ja.“

 

Vielen Dank für Eure Antworten. Im ersten Teil hatten wir bereits Einblicke bei den Lumberjacks Rohrdorf, den Bundesligadamen des FC Stern München und der zweiten Mannschaft der Red Hocks Kaufering präsentiert.

 

Wer sich nochmals eingehend mit der abgebrochenen Saison beschäftigen will, findet alle Ergebnisse und Statistiken im Saisonmanager von Floorball Deutschland. Und nicht vergessen: Mehr Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch bietet der nächste Floorball Bayern Stammtisch am kommenden Mittwoch.

Online-Stammtisch Floorball Bayern
Uhrzeit: 28. April 2021 19:00 Uhr
Zoom-Meeting beitreten: https://zoom.us/j/96437065448?pwd=WlJjS1J4TXhoSElOc0l5TEt6YXVzdz09
Fragen dazu an rasso.schorer@floorball-bayern.de.

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