Zur Trennung von Donau Floorball: Ende einer intensiven Beziehung

Ingolstadt/Donauwörth – Nach mehreren gemeinsamen Jahren ist Schluss mit Donau Floorball. Der ESV Ingolstadt und der SV Nordheim lösen ihre Spielgemeinschaft, die sich über mehrere Wettbewerbe inklusive der 2. Bundesliga erstreckte, auf. Das gaben beide Vereine am Mittwoch bekannt. Wie es dazu kam und wie es nun weiter geht, dazu geben die beiden Abteilungsleiter Andreas Finkenzeller (ESV Ingolstadt) und Armin Sedelmeier (SV Nordheim) Auskunft.

Servus Armin, servus Andi! „Auf Grund von unterschiedlichen Ausrichtungen zur zukünftigen Planung haben sich beide Vereine zu diesem Schritt entschieden.“ So schildert Ihr zum Beispiel auf Facebook, wie es dazu kam, dass der SV Nordheim und der ESV Ingolstadt wieder getrennte Sache machen. Nun ist es bei den Begründungen von Trennungen gern mal so wie bei Zeugnissen: Nett geschrieben ist nicht immer nett gemeint. Wie einvernehmlich lief der Entscheidungsprozess also ab? 

Sedelmeier: „Es war genau so wie geschrieben, nämlich einvernehmlich.“

Finkenzeller: „Das sehe ich auch so, der Entscheidungsprozess lief tatsächlich sehr einvernehmlich ab. Die Verantwortlichen beider Seiten stehen weiterhin in regem Austausch, um den Trennungsprozess bis zum Schluss sauber abzuwickeln.“

„Es war eine einvernehmliche Entscheidung.“ (Armin Sedelmeier und Andreas Finkenzeller)

Wann und durch wen kam die Idee, künftig nicht mehr gemeinsam als Donau Floorball zu firmieren, erstmals auf den Tisch? Wie ging es dann weiter?

Sedelmeier: „Vor einigen Wochen, als die Vorbereitung der ersten Mannschaft begann.“

Finkenzeller: „In den Gesprächen der Teamverantwortlichen von beiden Seiten kristallisierte sich damals nach und nach die Trennung als mögliche Option heraus. Nach weiteren Rücksprachen mit den Hauptvereinen und den Spielern haben wir uns dann für diesen Schritt entschieden.“

Andreas Finkenzeller, Abteilungsleiter des ESV Ingolstadt. (Foto: Laura Olenik)
Andreas Finkenzeller, Abteilungsleiter des ESV Ingolstadt. (Foto: Laura Olenik)

Vermutlich gab es eine Liste mit zwei Spalten: pro Trennung und contra Trennung. Welche Punkte haben Euch dazu bewogen, die eine Seite schlussendlich überwiegen zu lassen? Gibt es Beispiele für die „unterschiedlichen Ausrichtungen für die Zukunft“, von denen in Eurer Bekanntgabe die Rede ist? 

Beide: „So eine Liste gab es nicht.“

Sedelmeier: „Die vorhandenen Ressourcen in den Vereinen haben in vielerlei Hinsicht eine Rolle gespielt.“

Finkenzeller: „Einige Punkte liegen auf der Hand: Unsere beiden Standorte sind über 50 Kilometer voneinander entfernt. Das ist eine nicht zu unterschätzende Belastung sowohl für die Spieler, die regelmäßig zum gemeinsamen Training fahren, als auch für die Planung und Organisation von Spieltagen, Auswärtsfahrten und so weiter. Andererseits hatten wir auch mehr gemeinsame Ressourcen, auf die wir zurückgreifen konnten.“

Während andere Spielgemeinschaften bisweilen von außen betrachtet dazu dienen, dass sich mehr oder weniger fremde Leute dasselbe Trikot überziehen und dann loszocken, habt Ihr Eure Partnerschaft intensiv gelebt; davon zeugt ja auch das sportlich immer wieder gute Abschneiden, beispielsweise mit zwei Deutschen Meistertiteln im Nachwuchs. 

Finkenzeller: „Die erste Mannschaft hat zweimal in der Woche gemeinsam trainiert. Aber auch die zweite Mannschaft und die Jugendmannschaften haben sich regelmäßig zu gemeinsamen Trainings getroffen.“

Sedelmeier: „Beim Nachwuchs war das je nach Alter etwas unterschiedlich. Insgesamt wurde die Partnerschaft aber wirklich sehr intensiv gelebt und es sind natürlich auch Freundschaften entstanden.“

Nochmal zurück zu den angesprochenen Ressourcen: Wir groß wird die Umstellung sein, nun wieder losgelöst voneinander auf komplett eigenen Beinen zu stehen? Zum Beispiel beim Thema Trainingszeiten?

Sedelmeier: „Mit den Hallenzeiten sollten wir ganz gut hinkommen.“

Armin Sedelmeier, Abteilungsleiter SV Nordheim. (Foto: Martin Finkenzeller)

Finkenzeller: „Wir auch, da werden sich für uns keine Engpässe ergeben und wir werden weiterhin mehrere Großfeldtrainings pro Woche absolvieren. Jetzt, wo wir wieder komplett eigenständig und unabhängig als ESV Ingolstadt agieren werden, haben wir wieder kürzere Kommunikations- und Fahrtwege, was die Organisation erleichtern wird. Allerdings müssen wir auch alle Aufgaben wieder allein stemmen und mit unseren eigenen Ressourcen auskommen.“

Sedelmeier: „In einer gelingenden Spielgemeinschaft kann die Organisation und Finanzangelegenheiten auf mehrere Schultern verteilt werden. Auf der anderen Seite wird man etwas unflexibler, Entscheidungen dauern ab und an mal länger – je nachdem, wer alles eingebunden werden muss. Auf jeden Fall ist es in einer Spielgemeinschaft wesentlich leichter, breite Kaderstärken zu bilden.“

„Die Ausrichtung ist ganz klar die 2. Bundesliga.“ (Andreas Finkenzeller)

Da wären wir schon beim sportlichen Ausblick, wie geht es mit Euren ersten Mannschaften weiter?

Finkenzeller: „Die Ausrichtung für uns ist ganz klar und heißt weiterhin 2. Bundesliga, sportlich gesehen wollen wir immer das Maximum erreichen, die Jungs sind alle heiß. Aber wir müssen auch realistisch bleiben: Die Auflösung der Spielgemeinschaft und die sehr kurze letzte Saison mit der anschließend langen ‚Corona-Pause‘ bringen den gewohnten Rhythmus durcheinander. Auch durch die voranschreitende Umstrukturierung der 2. Bundesliga, wodurch wieder einige neue Teams dazugekommen sind, fällt eine Einschätzung für die kommende Saison schwer. Der Klassenerhalt sollte das vorrangige Ziel sein. Alles darüber hinaus ist Bonus.“

Sedelmeier: „Eine eigene Nordheimer Großfeldmannschaft in der Regionalliga wird es vermutlich nicht geben. Einige unserer Spieler sind in Gesprächen mit anderen Vereinen, um dort vielleicht auszuhelfen beziehungsweise unterzukommen.“

Finkenzeller: „Ob weiterhin Nordheimer Spieler für uns auflaufen werden, müssen wir erst noch individuell klären. Prinzipiell wollen wir aber jedem ambitionierten Spieler die Möglichkeit bieten, weiterhin mit uns in der Bundesliga auf Punktejagd zu gehen.“

Gemeinsamer Erfolg: der deutsche U15-Meistertitel 2017 (Foto: Martin Finkenzeller)

 

Auch in einigen Jugendligen seid Ihr gemeinsam angetreten. Jetzt, ohne Donau SG: Ist schon absehbar, wo Eure Nachwuchsfloorballer in der neuen Saison an den Start gehen?

Sedelmeier: „Wir Nordheimer haben noch nicht ganz den Überblick, was wir aktuell an aktiven Spielern haben. Denn wie alle konnten wir lange Zeit nicht oder kaum trainieren, vor allem bei den jüngeren Teams war das schwierig. In den meisten Altersklassen werden wir aber antreten; die U17 ist aktuell noch fraglich.“

„In den meisten Altersklassen werden wir antreten.“ (Armin Sedelmeier)

Finkenzeller: „Auch wir können die Situation im Jugendbereich zur Zeit nur sehr schlecht einschätzen. Jetzt, wo wir wieder so richtig in den aktiven Trainingsbetrieb starten können, wird sich zeigen, ob wir während der trainingslosen Zwangspause Spieler verloren haben. Voraussichtlich werden wir aber mit Mannschaften aus den Altersklassen U11, U13 und U15 antreten.“

 

Beitragsbild: Laura Olenik

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