Floorball peruanisch-bayerisch: Ricardo Wipflers Trainingseinheit im Vorort Limas

Kaufering – Seinem Bundesligateam, den Red Hocks Kaufering, drückt Ricardo Wipfler derzeit aus der Ferne die Daumen. Der 20-Jährige aus Weil ist für einen längeren Auslandsaufenthalt in Südamerika unterwegs. Ganz beiseite legt der „jugador nacional de Floorball de Alemania“ den Schläger aber nicht, schon kurz nach seiner Ankunft beteiligte er sich an einem internationalen Floorballprojekt in einem Vorort Limas.

 Servus Ricardo, was führt dich denn mitten unter der Saison nach Südamerika?

Wipfler: „Zwischen meinem Ausbildungsende im Februar 2022 und meinem Studiumsbeginn habe ich ein halbes Jahr Zeit. Da eine längere Reise allein ins entferntere Ausland schon immer mein Traum war, war es naheliegend, dass ich die Zeit dafür nutze.“

Ricardo Wipfler im Trikot der Red Hocks. Foto: Verein/emtyvision

Welche Erwartungen und Hoffnungen verbindest du damit?

Wipfler: „Prinzipiell will ich hier Kulturen und Leute näher kennen lernen und eben Auslandserfahrung sammeln. Mir geht es aber vor allem auch um die persönliche Herausforderung, mich alleine in einem fremden Land zurechtzufinden.“

Los ging es in Peru?

Wipfler: „Ja, da ich peruanische Wurzeln habe, war es für mich klar, dass ich meine Südamerikareise in der Hauptstadt Lima starte. Meine Mutter ist dort aufgewachsen.“

Beschreib uns doch bitte mal deine ersten Eindrücke vor Ort.

Wipfler: „Die ersten Eindrücke in Lima, das weniger touristisch geprägt ist, waren schon krass. Denn generell unterscheiden sich unsere deutschen Vorstellungen von Ordnung und Struktur deutlich vom Leben hier. Zum Beispiel scheint es hier aus unserer Perspektive keine Straßenregeln zu geben. Mir gefällt der Kontrast trotzdem sehr. Die Natur ist aufgrund der verschiedenen Klimazonen einzigartig, das Essen ist köstlich und günstig. Allerdings wird man überall auf Kriminalität aufmerksam gemacht, man muss wirklich aufmerksam und vorsichtig sein. Würde ich nicht Spanisch sprechen, wäre ich hier alleine fast aufgeschmissen; mit Englisch kommt man hier nicht weit.“

Jetzt zum Floorball: War von Anfang an klar, dass du deiner Sportart auch rund 11.000 Kilometer entfernt vom Kauferinger Sportzentrum nachgehst?

Wipfler: „Ich habe mich hier am Projekt Floorball4all beteiligt. Es wurde von Schweizern gegründet und hat in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt unter anderem zum Ziel, Kindern eine Alternative zur Straße zu bieten. Darauf gestoßen bin ich durch meinen ehemaligen Kauferinger Teamkollegen, Ex-Münchener und jetzigen Chemnitzer Juli Rüger. Er hat mir beim letzten Spiel gegen Chemnitz Ende Februar die Kontakte von den Organisatoren geschickt. Es war also schon eher eine spontane Aktion.“

Der “Jugador de Alemania” ist zu Besuch: “Entrenamiento especial” mit Ricardo Wipfler. Foto: Floorball Ventanilla

Wie lief es dann vor Ort?

Wipfler: „Ich war ein Wochenende in Ventanilla, einem ärmeren Vorort von Lima. Es gibt dort keine geteerten Straßen, die Häuser sind überwiegend Holzhütten. Entsprechend sind auch die Trainingsbedingungen alles andere als ideal: Wir mussten mit fünf Bällen und einer begrenzten Anzahl an Schlägern auskommen, die auch noch beschädigt waren. In Deutschland würde das ganze Equipment im Müll landen, hier ist man über jeden weiteren Schläger oder Ball froh. Gespielt wurde unter freiem Himmel auf großen Betonplatten, in deren Zwischenräumen der Ball zu springen anfing. Normalerweise ist das Training sehr einfach gehalten. Der Spaß steht im Vordergrund und das ist auch gut so, denn so bleiben alle motiviert. Ich habe neue Übungen eingestreut und einige Tipps zur Trainingsoptimierung gegeben, um einen Mehrwert zu schaffen. Es war eher chaotisch, dennoch hatten wir riesigen Spaß. “

Was nimmst du daneben für dich persönlich mit?

Wipfler: „Es war eine mega Erfahrung. Meine Unterkunft war direkt vor Ort, so habe ich mit den Kids Zeit verbracht und mitbekommen wie sie leben. Sie waren super herzlich und gastfreundlich, haben mich abends herumgeführt und wir haben auf den Straßen noch eine Runde Fußball gespielt. Für

sie war es etwas Besonderes, einen Auswärtigen zu empfangen. Einige wollten mich sogar zum Abendessen nach Hause einladen. Es hat mir Spaß gemacht, weil ich sehe, dass die Leute hier Bock haben und motiviert sind Floorball weiter zu bringen und Fortschritte zu machen.“

Wie geht es jetzt weiter?

Wipfler: „Ich habe gleich mit dem Präsidenten von Floorball Peru Kontakt aufgenommen und dann in einem Club in Trujilo, rund zehn Stunden nördlich von Lima, ein weiteres Training abgehalten. Mal sehen, wo es mich noch hinführt. Momentan bin ich in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, danach geht es weiter nach Kolumbien.“

Beitragsfoto: Wipfler

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