Vom Trainer der U15-Landesauswahl zum Coach der U17-Nationalmannschaft: Interview Teil 1

Bayern/Deutschland – Nicht nur die Fußballnationalmannschaft will ein neues Kapitel aufschlagen, indem sie ihren neuen Cheftrainer aus Bayern zu sich lotst. Einen ähnlichen Weg beschreiten auch Kevin Kapfer (rechts) und Marius Fisterer (Mitte): Die beiden Trainer der U15-Landesauswahl wechseln in den Staff der U17-Nationalmannschaft: Fisterer ist dort für die Torhüter zuständig, Kapfer übernimmt als Headcoach. Im Gespräch schildert der neue Chef an der deutschen Bande wie es dazu kam, wie sich das anfühlt und welche Aufgaben nun anstehen.

Servus Kevin, Anfang August hast du den süddeutschen Auswahlspielern mitgeteilt, dass du zum Start der neuen Kampagne nicht mehr an Bord bist. Dein neues Betätigungsfeld hast du auch gleich verraten: die U17-Nationalmannschaft Floorball Deutschlands (FD). Was genau steht bei dir an?

Kapfer: „Ich darf den U17-Nationalkader für die Kampagne 2021-23 als Cheftrainer führen. Damit gehen grundsätzlich ähnliche Aufgaben einher, wie ich sie bereits aus dem U15- bzw. U17-Landeskader kenne. Nur in einem noch größeren Rahmen.“

Auf der Trainerleiter geht es also eine Sprosse für dich nach oben, gleichzeitig dürftest du der erste bayerische Headcoach einer Floorball-Nationalmannschaft sein. Wie kam es dazu?

Kapfer: „Innerhalb des Staffs der U17/19-Nationalteams kam es zu einigen Veränderungen. Letztlich entschied sich FD dazu, den U17-Staff komplett zu reformieren. Ich denke, als Regionalauswahltrainer bringt man grundsätzlich sehr gute Voraussetzungen mit, da die Strukturen im Leistungssport von FD größtenteils bekannt sind. Der finale Schritt kam sicherlich auch über die Hospitation am Lehrgang der U17/19 in Naumburg im Juni 2021 zustande, an dem auch Marius Fisterer und ich anwesend waren. Der Kontakt zwischen Regionalauswahltrainern und Nationalteams war in der Vergangenheit bereits gegeben und wurde am C-Trainer-Kurs in Kaufering intensiviert, an dem u.a. Herren-Nationaltrainer Martin Brückner und U19 Goalie-Trainer Pavel Lubentsov anwesend waren.“

Beim Hospitieren der Nationalmannschaftstrainingslager in Naumburg: Hier bahnte sich der „finale Schritt“ für Marius Fisterer (links) und ihn selbst an, schildert Kevin Kapfer (rechts). (Fotos (2): FD)

 

Als sich die Möglichkeit aufgetan hat: Musstest du da lang überlegen?  Was reizt dich an deinem neuen Posten?

Kapfer: „Lange Bedenkzeit habe ich nicht gebraucht. Es gab ein paar organisatorische Fragen in meinem persönlichen Umfeld zu klären, was reibungslos über die Bühne ging. Ich denke, es gibt keine größere Ehre, aber auch kein ambitionierteres Umfeld, um sich sportlich und persönlich weiterzuentwickeln. Das gilt sowohl für Spieler als auch Trainer. Gerade den Kontakt zur U19 erhoffe ich mir als sehr lehrreich, arbeiten wir doch eng zusammen mit dem U19-Staff inkl. Thomas Berger, einer absoluten Ikone der Unihockey-Szene. Zusätzlich freue ich mich natürlich auch einfach darauf, mit den besten Nachwuchsspielern Deutschlands zusammenzuarbeiten. Ich denke, das wünschen sich viele Trainer, und umso dankbarer bin ich für diese Möglichkeit. Nach den Stationen U15- und U17-Landeskader war das für mich ein nächster logischer Schritt. Umso cooler, dass das Timing gerade ganz gut gepasst hat.“

„Es gibt keine größere Ehre, aber auch kein ambitionierteres Umfeld, um sich sportlich und persönlich weiterzuentwickeln.“

Stichwort Timing: Ende August findet mit der U19-WM in Brno der große Fixpunkt statt, danach starten die National- und Regionalauswahlteams ihre neuen Kampagnen. Wann legst du in deiner neuen Funktion los?

Kapfer: „Tatsächlich sind wir seit Anfang August mitten in der Vorbereitung des U17-Sichtungslehrgangs und an der Ausarbeitung einer Team- und Spielphilosophie, angelehnt an die Vorgaben der U19-Natio und der neuen Ausbildungsphilosophie von FD. Der erste Zusammenzug findet vom 3. bis 5. September in Naumburg statt und das Aufgebot wurde bereits versandt. Aus Bayern haben wir Dominik Fellner, Ferdinand Reichenberger (beide Kaufering), Arthur Sobe und Lovis Sturm (beide Stern München) eingeladen; aus Baden-Württemberg ist Jonathan Bartoniczek (Schriesheim) dabei.“

Wie sieht dann der Fahrplan der neuen U17-Nationalmannschaft mit dir als Headcoach aus?

Kapfer: „Zunächst wird es entscheidend sein, möglichst schnell einen kompetitiven Kader auf die Beine zu stellen. Das ist sicherlich die erste große Herausforderung, da wir durch den Ausfall der letztjährigen U17-Trophies und der Deutschen Meisterschaften keine Vor-Selektion durchführen konnten. Gleichzeitig möchten wir möglichst vielen talentierten und ambitionierten Spielern die Chance geben, sich im U17-Umfeld zu präsentieren und ihnen den Weg für eine professionelle Floorball-Karriere ebnen. Hier müssen wir also einen sinnvollen Mittelweg finden. Der erste sportliche Vergleich nach vier Lehrgängen ist für April 2022 angesetzt, voraussichtlich in Form von Länderspielen gegen die Top-4-Nationen. Mittelfristig steht die Vorbereitung des Kaders auf die U19-Nationalmannschaft im Fokus. Natürlich wollen wir mit der U17 erfolgreiche Vergleiche bestreiten, das große Ziel ist aber die U19-WM 2023 in Frederikshavn, Dänemark. Gleichzeitig nimmt für uns die persönliche Entwicklung der Spieler einen hohen Stellenwert ein: Was bedeutet es, Nationalspieler zu sein, und wie passe ich mein Training und meinen Lifestyle entsprechend an?“

„Was bedeutet es, Nationalspieler zu sein, und wie passe ich mein Training und meinen Lifestyle entsprechend an?“

Das hast du zuletzt auch schon den süddeutschen Auswahlen näher gebracht. Welches Fazit deiner dortigen Zeit ziehst du für dich?

Kapfer: „Das Engagement als Landestrainer war für mich sehr wertvoll; als Highlight blicke ich auf die Sommer-Trophy 2019 in Dippoldiswalde mit der U17 zurück, an der der Pokal nach langer Zeit endlich wieder in den Süden wanderte.“

Hier endet der erste Teil des Interviews. Welche Entwicklungen Kevin Kapfer während seiner vier Jahre als Landesauswahltrainer beobachtet hat, wie es im bayerischen bzw. süddeutschen Staff jetzt ohne ihn und Marius Fisterer weitergeht und welche Aufgaben er für Bayerns Floorballtalente in den nächsten Monaten als die wichtigsten erachtet, schildert er in Teil 2.

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