Vom FC zu GC und ins Tor der Nationalmannschaft: Henrik Von Wangenheim im Interview

München/Zürich – Er war Rückhalt der deutschen Nationalmannschaft und trug zum historisch guten Abschneiden bei der U19-WM in Brno bei, rückte durch seinen Penalty-Save gegen Schweden in den Fokus der Floorballwelt und hält in der höchsten Juniorenliga der Schweiz, der U21A, den Kasten von GC Unihockey sauber. Doch seine sportlichen Wurzeln hat er beim FC Stern München: Henrik Von Wangenheim.

Servus Henrik, die deutsche U19-Nationalmannschaft hat bei der WM gegen Schweden (2:13), die Schweiz (1:9) und im Spiel um Platz 5 auch gegen Lettland (1:8) verloren; dank des 7:4-Siegs über Dänemark gelang beim erstmaligen Start in der A-Division dennoch der Sprung unter die Top Sechs. Wie fällt Euer Fazit aus? 

Von Wangenheim: „Der Klassenerhalt war erstes und wichtigstes Ziel. Den haben wir erreicht, damit können wir eigentlich sehr zufrieden sein. Dass wir nur einen Sieg aus vier Spielen holen, ist natürlich schade; vor allem das letzte gegen Lettland hätte man auch gewinnen können. Vermutlich hatte dann im vierten Spiel in vier Tagen die letzte Kraft dann doch gefehlt, weil der Klassenerhalt bereits erreicht war. Deshalb ist diese Niederlage deutlich zu hoch und auch die anderen beiden hätten nicht ganz so deutlich sein müssen. Da wären wir als Team eigentlich besser, als es das Resultat sagt.“

Du durftest zweimal starten: gegen die Schweiz und gegen Lettland. Noch dazu hattest du gegen Schweden einen Kurzeinsatz, als du eingewechselt wurdest, um einen Penalty zu entschärfen. Insgesamt: Wie lief es für dich persönlich? 

Von Wangenheim: „Ich denke, ich kann insgesamt recht zufrieden sein. Die meisten meiner persönlichen Ziele habe ich erreicht. Ich glaube aber auch, dass es in einigen Punkten hätte besser laufen können bei mir.“

Dein Penalty-Save gegen Schweden lief noch am selben Tag in den Sozialen Medien hoch und runter. Hast du das während der WM überhaupt mitbekommen und wie war das für dich?

Von Wangenheim: „Ich glaube, in der heutigen Zeit kann man sowas fast gar nicht nicht mehr mitbekommen und viele Bekannte und Teamkollegen haben mich auch auf sämtliche geposteten Videos aufmerksam gemacht. Trotzdem habe ich das noch am selben Abend für mich abgeschlossen, damit ich am nächsten Tag für das Spiel gegen die Schweiz voll parat war.“

Deutscher Nationalgoalie in der Schweizer U21A-Liga: Henrik Von Wangenheim im Trikot von GC Unihockey.                          Foto: Tobias Wagen


Jetzt, mit einigem Abstand: Nimm uns bitte nochmal mit in den Moment des Penaltys. Du bist extra dafür eingewechselt worden. Wieso? Wie bist du es angegangen?
 

Von Wangenheim: „Unser Goalie-Trainer Pavel Lubentsov hatte das vorher mit uns abgesprochen, ich kam also nicht ganz unvorbereitet rein. Der Vorteil an der kurzfristigen Einwechslung war, dass ich gar keine Zeit hatte nervös zu werden. Außerdem habe ich mich einfach nur gefreut, dass ich jetzt doch noch gegen Schweden zumindest mal kurz aufs Feld durfte. Das hat mir vermutlich den Druck auch ein wenig genommen und ich habe gar nicht so viel nachgedacht, was passieren könnte.“

Das Vorrundenspiel gegen Dänemark, das insgesamt dritte, war zuvor als das Match der Entscheidung festgestanden. Dein Torwartkollege Jonah Koop machte einen starken Job, oder? Wie war es für dich, diese wegweisende Partie als Ersatzmann verfolgen zu müssen? 

Von Wangenheim: „Ja, Jonah hat sicher ein starkes Spiel gemacht und uns auch teilweise im Spiel gehalten. Natürlich hätte ich gerne selbst gespielt. Gemeinsam mit meinen drei anderen Kollegen auf der Bank konnten wir das Team aber sehr gut motivieren und somit ebenfalls eine wichtige Rolle einnehmen.“

Insbesondere die Partien gegen die beiden Top-Vier-Nationen Schweden und Schweiz waren echte Standortbestimmungen. Was hatten diese beiden Teams auf dem Feld, was Deutschland noch nicht hat? 

Von Wangenheim: „Ich würde sagen, was Deutschland am meisten fehlt ist die Spielgeschwindigkeit. Bis wir mal einen Ball angenommen haben, stehen bereits zwei Schweden beziehungsweise Schweizer bei einem und nehmen den Ball wieder weg. Dann spielen sie mal drei bis vier Direktpässe und wir kommen gar nicht mehr hinterher. Sowohl technisch als auch taktisch fehlt in der Nationalmannschaft meiner Meinung nach aber nicht mehr so viel zu der Schweiz.“

Sportliche Wurzeln beim FC Stern: Hier entdeckte Henrik Von Wangenheim den Floorball für sich.                                                   (Foto: Archiv Stern)


Stichwort Schweiz: Hier kannst du den Vergleich besonders gut ziehen, denn du lebst dort. Wie sieht dein Werdegang aus? Ursprünglich bist du ja Münchener.
 

Von Wangenheim: „Ja, mit Floorball angefangen habe ich bei Stern München. Dort habe ich den Sport kennengelernt und bis in die U13 gespielt. Dann sind wir durch meinen Vater nach Zürich umgezogen und seitdem habe ich alle Nachwuchsteams bei GC Unihockey durchlaufen von der D bis mittlerweile zur U21A.“

Nach der WM hattest du direkt den Start der Club-Saison mit GC vor der Brust. Gab es in diesem Jahr eigentlich Urlaub? 

Von Wangenheim: „Ein wenig Urlaub konnte ich schon machen. Ein paar Tage in Österreich und ein paar Tage bei Verwandten. Auf den Saisonstart habe ich mich natürlich trotzdem gefreut.“

Nochmal zurück zum Vergleich Schweiz-Deutschland: Worin unterscheidet sich das Floorbalgeschehen in beiden Ländern strukturell?

Von Wangenheim: „Dadurch, dass wir in der Schweiz eine U18- und eine U21-Liga haben, ist es sicherlich viel einfacher am Sport dranzubleiben, weil man nicht nach der U17 direkt zu den Herren muss. Zudem gibt es deutlich mehr Vereine, wodurch man in der sowieso schon kleineren Schweiz meistens noch weniger weite Wege zu Auswärtsspielen hat. Was sicher auch noch ein großer Unterschied ist, ist dass es hier eher wenig Spielertrainer gibt.“

Wie sieht dein Trainingsalltag aus? 

Von Wangenheim: „Während der Saison habe ich drei Hallenteamtrainings und einstündiges Skillstraining, ebenfalls in der Halle; während der Sommerpause zwei Hallentrainings, ein Krafttraining und am Wochenende Athletik- oder Hallentraining. Manchmal, besonders kurz vor der WM, konnte ich immer mal wieder ins Morgentraining von 7 Uhr bis 9 Uhr gehen.“

Henrik von Wangenheims Tipp für den bayerischen Goalienachwuchs: „Die Basics müssen sitzen“. Foto: Tobias Wagen


Welchen Tipp hast du für die junge bayerische Goalie-Generation, die es wie du mal zwischen die Pfosten einer U19-WM bringen will?
 

Von Wangenheim: „Beherrscht die Grundlagen, wie Verschieben, Grundposition und Positionsspiel, perfekt. Denn das sind die Voraussetzungen. Ihr braucht eine große Ausdauer und den Willen, über einen großen Zeitraum hinweg an Euch zu arbeiten und hart zu trainieren.“

Den Link zu Henriks Schweden-Save findet Ihr hier. Los geht’s bei 1:17:55.

Titelfoto: Tobias Wagen

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