Kaufering – Die Red Hocks Kaufering haben sich vor heimischer Kulisse zum Champion gekrönt. Die Gastgeber der Deutschen Meisterschaft der U19-Junioren bezwangen Blau-Weiß 96 Schenefeld im Endspiel vor gut 320 Zuschauern mit 5:1. Das Bronzematch entschied der bayerische Nachbar FBC München mit einem 11:2-Kantersieg über die SSF Dragons Bonn für sich.
Am Samstagabend war Kopfrechnen angesagt. Vor dem letzten Spiel in Gruppe B brauchten die SSF Dragons einen Sieg mit drei oder mehr Toren Abstand gegen die Baltic Storms. Der FBC München seinerseits konnte der Dinge recht entspannt harren. Der Halbfinaleinzug stand bereits fest, lediglich die Platzierung – und damit auch die Paarung für den kommenden Tag – hing noch vom Ausgang der Abendpartie ab.
Das Team aus der bayerischen Landeshauptstadt war in einem temporeichen Spiel gegen die Baltic Storms mit einer 6:8-Niederlage ins Wochenende gestartet, hatte das drohende Aus dann aber mit einem 5:2-Sieg über Bonn abgewendet. „In einem ausgeglichenen ersten Spiel haben wir einige einfache taktische Fehler gemacht“, fasst FBC-Coach Fredrik Ekvall zusammen. Ohne die gegnerischen Verdienste zu schmälern: „Mir kam es so vor, als hätten wir ihnen einige ihrer Tore geschenkt.“ Die ordentliche eigene Offensivleistung reichte nicht für Zählbares. Gegen die Dragons habe man sich dann weitgehende Kontrolle erarbeitet und das Weiterkommen festgezurrt.
In der anderen Gruppe lagen die Dinge deutlich klarer. Kaufering hatte mit einem 2:1-Overtimesieg über Schenefeld und einem 7:2 gegen die SG Berlin Rockets/Eisbären Juniors Platz eins schon mittags in der Tasche. Der Auftakt sei noch etwas holprig geraten, schildert Coach Norman Krevet. „Gegen die hervorragend organisierte Abwehr und einen glänzend aufgelegten Schlussmann taten wir uns lange Zeit sehr schwer.“ Der Rückstand samt gelungenem Comeback sei für die folgenden Aufgaben vor allem eines gewesen: lehrreich. Partie zwei sei dann nach der frühen Führung und der entsprechenden Sicherheit gelaufen wie am Schnürchen.

Spannende Halbfinalspiele: Kaufering ringt Bonn nieder
Das erste Halbfinale tags darauf zwischen Kaufering und Bonn hatte von Beginn an alles – außer Tore. Einige Fans der Red Hocks dürfte ein flaues Gefühl beschlichen haben, als ihr Team zunächst kein Glück hatte und dann auch noch Pech dazu kam. Verhinderte die Latte auf der einen Seite zweimal die Führung der Hausherren, legte sie auf der anderen die Gästeführung auf: Ein Distanzschuss nahm nach einem Block eine gefährliche Kurve, prallte ans Gestänge, an Torwart Raphael Landherr und dann Jonas Kever direkt auf die Kelle – 0:1-Führung für die Dragons (30.). „Das war bitter“, räumt Coach Krevet ein, der bis dahin ein „großartiges intensives Halbfinale“ gesehen hatte.
Den Knoten zum platzen brachte dann die Antwort durch Tom Zöllner per Rebound rasch nach Wiederanpfiff (32.). Ebenfalls aus kurzer Distanz legte Ferdinand Reichenberger (39.) nach, eine Fackel von Jeremias Probst (41.) sorgte dann für die Vorentscheidung. „Der Wille der Mannschaft war einfach greifbar“, lobt ihr Trainer. Die Gastgeber behielten in einer nicht nur der Temperatur nach heißen Schlussphase den kühleren Kopf. Mit 3:1 zogen die Red Hocks ins Finale ein. „Unsere stärkste Turnierleistung“, findet Krevet.

FBC München geht Schenefeld in die Falle
Im zweiten Halbfinale perfektionierte Schenefeld, was es schon zuvor zelebriert hatte: Ein starker Goalie Kilian Meyberg, eine kompakte Defensive und punktuelle, dafür aber effiziente Angriffe hielten Blau-Weiß lange im Spiel, um die Partie dann zum günstigsten Zeitpunkt zu drehen. „Wir sind ihnen in die Falle getappt“, fasst Ekvall zusammen. Die gegnerische Herangehensweise sei zwar bekannt gewesen, ein echter Lerneffekt sei aber erst ab dem zweiten Drittel eingetreten.
Moritz Franz (18.) und Martin Hempfling (34.) beantworteten den frühen Auftakttreffer Jonah Thiells (5.). „Das 2:1 war verdient“, so Ekvall. Das Gefühl, sich Oberwasser erspielt zu haben, erwies sich jedoch als trügerisch. „Statt die Führung auf 3:1 auszubauen, hatten wir ein paar unglückliche Abpraller, die es Schenefeld ermöglichten, auszugleichen und das Spiel schließlich zu drehen.“ Lukas Franck (39.) per Konter nach einem FBC-Aussetzer und Julius Dittmer per Traum-Volley (41.) stellten die Spielanlage auf den Kopf. „Uns gelang es nicht, in der Schlussphase noch einmal richtig Druck zu machen, obwohl wir es versucht haben“, bedauert der FBC-Coach. 3:2 für Schenefeld, Finaltraum geplatzt – und wohl kaum ein Münchener wusste, was genau da schief gelaufen war.
München ballert sich zu Bronze
Der FBC berappelte sich allerdings eindrucksvoll und überrollte die Bonner im Bronzematch nach sämtlichen Regeln der Kunst. Bereits zur ersten Pause war mit 0:5 alles klar, am Ende wuchs das Ergebnis auf 2:11 an. „Es fühlte sich an, als wollten wir den Sieg mehr, und wir haben eine wirklich starke Leistung gezeigt“, so Ekvall. Weil die überwiegende Mehrheit seines Teams dem Juniorenalter noch nicht entwachsen ist, sollte man den FBC München im nächsten Jahr wieder ganz oben auf dem Zettel haben.

Kauferinger Finalsieg über Schenefeld
Im Finale zwischen Kaufering und Schenefeld bedienten sich die Gäste aus dem Norden erneut ihrer bewährten Mittel, ohne aber diesmal selbst offensiven Punch zu entwickeln. Im ersten Drittel ruckelte die Partie noch, dann nahm Kaufering Fahrt auf. Die Red Hocks zeigten sich nach dem Münchener Aus und den eigenen Erfahrungen aus der Vorrunde gewarnt. „Unser Matchplan war klar“, verrät Krevet: „hoher Ballbesitz, die gefährlichen Konter von Schenefeld nicht zulassen und geduldig auf unsere Abschlusschancen warten“.
Das gelang zusehends besser. Jeremias Probst münzte das spielerische Übergewicht seiner Red Hocks im zweiten Durchgang nach einem hohen Ballgewinn Ferdinand Reichenbergers (17.) sowie per Direktabnahme (23.) in eine Zwei-Tore-Führung um. Auch im dritten Drittel gaben die Gastgeber das Geschehen nicht mehr aus der Hand. Durch Reichenbergers 3:0 (38.) war schon mehr als eine Vorentscheidung erzielt. „Die Kulisse war eines DM-Finales absolut würdig, die Mannschaft hat den Matchplan gut umgesetzt und am Ende durften wir uns als glückliche, aber verdiente Sieger feiern lassen“, freut sich Krevet. Tom Zöllner erhöhte (43.). Nach Melina Faye Dittmers Ehrentreffer per Penalty (45.) besorgte Jonas Knaus drei Sekunden vor der Schlusssirene den Endstand, dann reckten die Kauferinger den Pokal in die Höhe.

„Es war wie erwartet ein starkes Teilnehmerfeld“, fasst Meistertrainer Krevet zusammen. Sein Team habe sich durch konstant gute Leistung, Comeback-Qualitäten, Hitzefestigkeit und den Glauben an sich selbst den Titel verdient. „Neben dem sportlichen Stolz empfinde ich vor allem tiefe Dankbarkeit. Ein riesiges Dankeschön geht an alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die diese Heim-DM überhaupt erst möglich gemacht haben. Und natürlich an alle Fans in der Halle, die für eine grandiose Stimmung gesorgt und dieses Wochenende für die Jugendlichen zu einer unvergesslichen, großartigen Deutschen Meisterschaft gemacht haben!“


