München – Die Damen des FBC München haben den Pokal der WIFL unter die Hallendecke in Wien heben dürfen. Beim Finalwochenende ihrer Liga, die sich aus Clubs aus drei Ländern zusammensetzt, entschieden sie ihre Spiele gegen die ungarischen Vertreterinnen Phoenix Fireball und SZPK Mentőangyalok Komárom jeweils knapp für sich. Auf das 3:2 im Halbfinale folgte ein 4:3 im Endspiel. Im Interview blickt Trainer Lars Drießnack auf die Saison, das Titelwochenende und in die Zukunft. Zu den Statistiken der Saison geht es hier.
Servus Lars und Glückwunsch zum Titel! Bevor wir genauer auf Euren Triumph am vergangenen Wochenende eingehen: Wie lief es denn bis dahin?
Drießnack: „Die WIFL ist in diesem Jahr erstmals mit ungarischer Beteiligung und auch erstmals zweigeteilt gestartet – was auf Wünsche der österreichischen Teams zurückzuführen war. Seit September hatten wir neun reguläre Ligaspiele in der West-Staffel – sieben Siege brachten uns Platz 1 und damit das Ticket für das Final4. Der Kader war, im Vergleich zur vergangenen Saison, leider etwas dünn. Einige Abgänge und mehrere langzeitverletzte Spielerinnen sorgten dafür, dass wir nur selten auf drei Reihen spielen konnten. Aus Sicht eines Trainers führt das natürlich auch dazu, dass man Blöcke neu denken muss und Spielerinnen, die bisher eher die zweite Geige gespielt haben, ins Rampenlicht rücken durften. Unter dem Gesichtspunkt der Weiterentwicklung der jungen Spielerinnen war es daher eine sehr lehrreiche, aber auch erfolgreiche Saison. Zu nennen wären da vor allem Paula Schedele, die endlich verletzungsfrei geblieben ist und schlussendlich mit einer Fangquote von um die 90 Prozent ins Allstar-Team gewählt wurde – wenn man weiß, dass beim WIFL Final4 auch die aktuelle ungarische und österreichische Nationaltorhüterin gespielt hat, ist das ein Statement. Außerdem im Saisonverlauf gesehen, haben Eva Lex, Carla Ford und Clara Schmidt-Wellenburg in ihrer zweiten Saison einen deutlich Schritt nach vorne gemacht haben, was natürlich nicht die Leistung der anderen Spielerinnen schmälern soll. Was die Leistung des Teams insgesamt angeht, hatten wir natürlich auch einige Dellen im Saisonverlauf – aber bei so einem Ende wollen wir an der Stelle mal nicht zu kritisch werden. Es zeigt einfach nur, dass wir weiter hart arbeiten müssen.“
Jetzt aber zu den Tagen in Wien: Dein Rückblick speziell auf das Final4?
Drießnack: „Es war ein olles Event, wenn auch eine Nummer kleiner als man es in Deutschland vielleicht gewohnt ist. Aber dafür eben auch ein reines Damen-Event, was mir persönlich besser gefällt als gemischte Veranstaltungen. Schade war natürlich, dass der Austragungsort Wien vor Saisonbeginn gewählt wurde, sich aber kein Wiener Team qualifizieren konnte. Ich denke, sonst hätte man die Halle noch voller bekommen. Unser Schlüssel zum Titelgewinn war ganz klar die Defensive, das habe ich dem Team auch direkt gesagt. Insgesamt haben wir an dem Wochenende vier Teams auf Augenhöhe gesehen. Das effizienteste Team hat am Ende den Pokal gewonnen. Dass wir in dieser Kategorie mal ganz vorne sind, hätte ich kaum erwartet.

Im Halbfinale ging es zunächst gegen Phoenix Fireball aus Ungarn.
Drießnack: „Ja, mit unserem Halbfinalgegner habe ich mich im Saisonverlauf etwas intensiver beschäftigt. Nachdem ich deren Sieg gegen den Wiener FV, den letztjährigen Champion, im Oktober gesehen habe, war für mich klar: Dies ist das Team, das wir schlagen müssen – sehr spielstark und tolle Abschlüsse. Dass wir es schaffen, dieses Team auf nur zwei Gegentoren zu halten, war für mich die Leistung des Wochenendes. Und dann haben wir natürlich eine Selay Aslan, die für die wichtigen Tore da ist – und das gleich zwei Mal.“
Damit wart ihr ins Endspiel eingezogen.
Drießnack: „Für das Finale am Sonntag war klar, dass mit Nóra Lelovics von SZPK Komárom die beste Angreiferin der WIFL kommt. Im Halbfinale war sie an allen fünf Toren ihres Teams beteiligt und leider auch gegen uns mit mit drei Scorerpunkten. Das erste Drittel war unser schlechtestes an dem Wochenende, vielleicht im ganzen Jahr. Ich glaube auch, die Mädels haben sich da teilweise selbst enorm Druck gemacht. Seit ich Trainer in München bin, haben wir vier Finals in drei Wettbewerben gespielt – gewinnen konnten wir bis dahin noch keines und ich glaube schon, dass einige deswegen unbedingt jetzt gewinnen wollten oder sogar glaubten, unbedingt gewinnen zu müssen. Offensiv lief es im gesamten Spiel nicht wirklich gut, aber irgendwann haben wir wieder unsere Stabilität gefunden und die paar Chancen, die wir hatten, einfach mal gemacht – und eben auch mit den Distanzschüssen von Betül Aslan und Valerie Hartl das nötige Glück gehabt. Genau wie im Halbfinale war das letzte Tor von uns die erste Führung. Gegen Ende hieß es dann verteidigen mit allen Mitteln. Das haben die Mädels sehr gut angenommen und durchgehalten. Da bin ich als Trainer natürlich auch stolz auf das Team.
War der Titelgewinn schon vorab Euer erklärtes Ziel?
Drießnack: „Ja, ganz klar. Das war einer der drei KPIs, die wir vor der Saison für uns festgelegt haben und natürlich der Wichtigste.“

Damit hat Eure Saison auf dem Großfeld nun ein erfolgreiches Ende gefunden – aber auch ein sehr frühes. Wie geht es jetzt weiter?
Drießnack: „Ja in der Tat, die Saisonplanung habe auch ich mehrfach sehr deutlich beim ÖFBV kritisiert (österreichischer Verband, d. Red.). Letztendlich muss man aber erst einmal Gerold Rachlinger und seinem Team dankbar sein, dass der Verband so eine Liga organisiert und vor allem uns damit die Möglichkeit gibt, auf dem Großfeld auf diesem Niveau aktiv zu sein. In Österreich gibt es ja neben dieser Liga noch einen Staatsmeister auszuspielen und Kleinfeldwettbewerbe, insofern gab es schon Gründe. Nächste Saison wird es vielleicht anders laufen. Der März steht nun für uns im Zeichen der Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft auf dem Kleinfeld im Juni. Alle Spieltage dafür finden in den nächsten vier Wochen statt – was wir danach bis Juni machen, ist wahrscheinlich die größere Frage. Da den Fokus zu halten wird schwierig, aber auch im Kleinfeld haben wir ja noch ein Ziel offen, was im letzten Jahr denkbar knapp verfehlt wurde.“
Wie geht es über die Saison mit dem Team weiter? Sehr Ihr kurz-, mittel- oder langfristig wieder Eure Perspektive im deutschen Großfeld-Spielbetrieb?
Drießnack: „Die 1. FBL in Deutschland muss das Ziel sein, sonst lohnt sich der ganze Aufwand nicht. Aktuell sprechen die quantitative Entwicklung des Kaders – es werden eher weniger Spielerinnen statt mehr – und das Verfehlen einige Ziele für diese Saison dagegen. In der nächsten Saison planen wir daher erneut mit der WIFL. Das Spiel gegen den SSF Bonn im Pokal hat aber gezeigt, dass wir sportlich durchaus schon wieder mithalten könnten. Finanziell und zeitlich ist die 1. FBL mit Reisezielen wie Berlin, Hamburg oder Mühlheim natürlich nochmal eine andere Nummer. Wir werden, bzw. haben schon damit begonnen, aktuelle U15/U17-Spielerinnen in unseren Trainingsbetrieb zu integrieren. Die sollen im nächsten Jahr dann auch erste Erfahrungen sammeln. Zusätzlich hoffen wir natürlich auch, dass einige Spielerinnen ggf. zurückkommen oder neu dazu, da wir leider auch wieder einige Spielerinnen verlieren. Insgesamt müssten wir uns laut Regularien von Floorball Deutschland jeweils im Januar für die 1. FBL melden. Das bedeutet auch, dass wir zu diesem Zeitpunkt eine belastbare Planung für die 18 Monate danach haben – dies ist in der heutigen Zeit und bei einem so jungen Team einfach auch schwierig.“
Beitragsfoto: Marion Rachlinger/ÖFBV

