Sportfachverband des BLSV
Floorball Verband Bayern e.V.

ESV Ingolstadt vor Saisonstart in der 2. FBL: „Phase des Umbruchs“

Ingolstadt – Sein ESV Ingolstadt befinde sich in der 2. FBL in einer Phase des Umbruchs findet Johannes Schönmeier. Wie dieser gelingen soll, was sich zur neuen Saison 2026/27 ändert und wie er auf die Liga blickt, all das schildert der Coach der Schanzer Ducks im Interview. Als Teil der bayerischen RSK schaut er außerdem auf die Regeländerungen zur neuen Spielzeit. 

 

Servus Johannes, wie läuft die Saisonvorbereitung?

 

Schönmeier: „Wir konnten den ganzen Sommer tatsächlich Mannschaftstrainings durchführen, trotz der mittlerweile gängigen Urlaubsphase. Das einzige Manko ist leider unsere sehr dürftige Hallensituation. Die Paul-Wegmann-Halle ist wegen einer Dachsanierung bis Anfang nächsten Jahres gesperrt. Deswegen trainieren wir erst mal in unserer Ausweichhalle. Aus unserer jetzigen U17 haben wir zudem zahlreiche Nachwuchsspieler, die sich dort dementsprechend auch vorbereiten können. Vor allem im Hinblick für einige bezüglich Regionalliga auf dem Großfeld eine durchaus sinnvolle Ergänzung. Vielleicht wird der ein oder andere Spieler dann auch schon in der kommenden Saison mal in den Spielbetrieb der 1. Mannschaft reinschnuppern können.“

 

Was hat sich personell bei Euch getan?

 

Schönmeier: „Wir werden mit Simon Hasenbank, Ben Ress, Jan Rost, Sebastian Heuschmid, Luca Scharnagl (nach Kaufering) insgesamt fünf feste Abgänge haben, die teilweise studien-/arbeitsbedingt sowie sportlich bedingt sind. Wir dürfen uns mit Max Hager, Florian Nitschke, Hannes Priller (alle Puchheim) und Julian Hitzler (fix aus Nordheim) aber auch auf das eine oder andere neue Gesicht aus den umliegenden bayerischen Vereinen freuen, die bei uns den nächsten Schritt Richtung 2. FBL gehen wollen. Gegebenenfalls kommen noch ein bis zwei Neuzugänge dazu. Wie schon oben beschrieben, erhalten wir auch für den Trainingsbetrieb einen Schwung neuer Spieler aus der eigenen Jugend. Nichtsdestotrotz sind wir weiterhin etwas im Umbruch und haben ein junges Team, das weiterhin wachsen muss und wird, damit die anstehenden Aufgaben bewältigt werden können.“

 

Johannes Schönmeier ist weiterhin Coach der Zweitligamannschaft des ESV Ingolstadt.
Foto: Christoph Pabel

 

Du hast als Coach mehrerer Vereinsmannschaften, mit der U17-Nationalmannschaft und im Bereich Schiedsrichterwesen alle Hände voll zu tun. Wie bringst du das alles unter einen Hut?

 

Schönmeier: „Daraus mache ich tatsächlich keinen Hehl, dass das Arbeitspensum ein immens hohes ist und auch wahrscheinlich bleiben wird. Ich habe im Verein auch deutlich mehr Aufgaben abgegeben, gerade was Juniorenmannschaften angeht, und bin nur noch für die U17 als Headcoach zusätzlich zu den Herren aktiv dabei. Wir arbeiten aber mit allen Juniorencoaches zusammen, um eine möglichst einheitliche Ausbildungsstruktur für die Spieler zu schaffen, um den Verein hier nachhaltig zu entwickeln. Klar nebenbei oder eher als zweiter Hauptpunkt steht noch die wichtige Aufgabe als Torhütertrainer der U17-Nationalmannschaft an sowie die Mitarbeit am Ausbildungswesen der Schiedsrichter hier in Bayern. Die Zahl der freien Wochenenden – und teilweise freien Wochentagen als Schichtarbeiter – ist schon sehr überschaubar im gesamten Jahr. Dennoch: Floorball ist für mich ein wichtiger Ankerpunkt in meinem Leben geworden und ich verspüre weiterhin große Lust mich aktiv in die Entwicklung – sei es im Verein, außerhalb im Leistungssportbereich oder im Verband – einzubringen und tue weiterhin alles dafür, dass diese Motivation stetig hoch bleibt.“

 

Gehen wir zurück zur 2. FBL Süd/Ost: Mit Kaufering und München sind zwei bayerische Vereine aufgestiegen, das Kapitel bayerischer Zweitligaderbys ist damit schon wieder Geschichte. Was bedeutet das für Euch?

 

Schönmeier: „Wir freuen uns natürlich in erster Linie als bayerische Gemeinde, dass wir wieder zwei Vertreter in der höchsten deutschen Spielklasse haben. Für uns selber fallen damit natürlich sportlich gesehen interessante und teilweise emotionale Derbypartien weg sowie logistisch günstige Fahrwege zu Auswärtsspielen. Ich denke aber, dass sich auch weiterhin genug attraktive Gegner in der 2. FBL Süd/Ost finden, die das etwas kompensieren werden. Aber klar, Derbys haben natürlich immer ihren ganz speziellen Reiz.“

 

Quedlinburg ist ausgestiegen, aus der 1. FBL kommt Potsdam runter. Die 2. FBL Süd/Ost ist insgesamt um zwei Teams geschrumpft. Deine Gedanken dazu?

 

Schönmeier: „Damit fallen natürlich erst mal vier Partien weg, zwei davon zwei auswärts. Logistisch und finanziell gesehen nicht gerade negativ. Was natürlich dann fehlt, sind die sportlichen Vergleiche. Dennoch sehe ich es dann so, dass es bei weniger Spielen etwas enger zur Sache gehen wird. Sprich, wir werden von Anfang an von jedem Gegner gefordert werden, was uns nur zugutekommen kann.“

 

Vergangene Saison habt Ihr hin und wieder damit geliebäugelt, euch ein Stückchen mehr in Richtung gesichertes Tabellenmittelfeld vorzuarbeiten. Was ist diesmal das Ziel?

 

Schönmeier: „Ich denke, gerade in unserer Phase des Umbruchs müssen wir weiterhin sehen, dass wir uns in der 2. FBL stabilisieren. Die Ansätze für mehr waren in der letzten Saison durchaus vorhanden und wir hätten den ein oder anderen Punkt mehr mitnehmen können. Aber das primäre Ziel ist weiterhin der direkte Klassenerhalt und uns als Mannschaft weiterzuentwickeln, sodass wir auch die knappen Begegnungen sowohl spielerisch als auch mental für uns entscheiden können.“

 

Wie wollt Ihr das erreichen? Woran habt Ihr im Sommer gearbeitet?:

 

Schönmeier: „Im Fokus stand in der Vorbereitung das Arbeiten an den Basics sowie am Spielsystem und den zugewiesenen Rollen auf dem Feld. Gerade die Defensive, unser größtes Manko der vergangenen Saison, hat einen Großteil der Vorbereitung eingenommen. Wir wollen uns spieltechnisch auch dahingehend weiterentwickeln und viel mehr Präsenz im Forechecking sowie in Pressingsituationen zeigen. Vor allem aber wollen wir auch im Bereich Decision Making deutlich überlegter und handlungsschneller sein.“

 

Kapitän David Kraus führt die Schanzer Ducks in die nächste Zweitligasaison. (Foto: Finkenzeller)

 

Wohin soll es lang- und mittelfristig für die Schanzer Ducks gehen?:

 

Schönmeier: „Klar, mittelfristig wollen wir mit den unteren Plätzen in der Tabelle weitestgehend nichts mehr zu tun haben. Langfristig sollte es das Ziel von jedem sein sich so zu entwickeln, dass wir auch um die oberen Plätze mitspielen können. Gerade der Traum von einer ersten Playoffserie im nationalen Betrieb ist das Ziel in der Zukunft. Aber erstmal step by step. Wir haben noch viele Baustellen, an denen wir arbeiten müssen. Gerade aber auch im Bereich Nachhaltigkeit: Viel mehr Kinder und Jugendliche akquirieren und nach einem einheitlichen Ausbildungsweg entwickeln. Immens wichtig ist es hier auch weiterhin, die Möglichkeit zu bieten dauerhaft Großfeld zu trainieren und, noch wichtiger, sich im Wettbewerb mit anderen Vereinen zu messen. Für unsere oberste Stelle und, ich würde so weit gehen zu sagen, unser Aushängeschild des Vereins kann es nur mit einem soliden Unterbau für die Zukunft funktionieren.“

 

Machen wir nochmal den Schwenk zu deiner Rolle im Ausbildungswesen der bayerischen Schiris. Was sind deine Gedanken zum neuen Regelwerk?

 

Schönmeier: „Ich sehe es etwas zweigeteilt: Positiv möchte ich den verstärkten Goalieschutz hervorheben. Als ehemaliger Aktiver sowie als Torhütertrainer finde ich es gut, dass die Torhüter vor überharten Aktionen und in ihrem Hoheitsbereich besser geschützt werden sollen. Auch die Thematik mit den Torhütertoren finde ich eine spannende Ergänzung zum Spiel. Wo ich noch gerne eine Nachschärfung bräuchte, wäre das Thema Goalieequipment. Gerade mit Übergrößen und Materialansätzen, zum Beispiel an Torhüterhosen, finde ich die Regeln noch sehr vage und wenig kontrollierbar gefasst. Die Regelung für die Wechselbänke wird wohl die größte Umstellung für alle Teams bedeuten. Ich durfte das bereits praktisch bei den diesjährigen Prague Games selber miterleben. Ich denke, die Spieler werden sich einiges abgewöhnen müssen beziehungsweise auch die Trainer werden viel mehr darauf achten, wo sie zu stehen haben. Ich würde mir noch wünschen, dass der Dachverband das vielleicht noch etwas präziser verfasst, wie genau und streng sie das handhaben wollen in der ersten Saison. Aus bayerischer Ausbildungssicht werden wir viel kommunikativ auf die Leute zugehen, sodass es bestmöglich von allen umgesetzt wird. Insgesamt finde ich das Regelwerk etwas klarer in manchen Punkten gefasst und definiert, aber es wird sich zeigen, inwieweit die kritischen Bereiche wie Wechselbänke und Equipmentregelung angenommen werden.“

 

Beitragsfoto: Finkenzeller

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