Bayern – Der Bildungscampus in Riem bleibt ein gutes Pflaster für die Red Hocks: Die Kauferinger entschieden das Bayern-Derby in der 1. FBL gegen den FBC München für sich. In der 2. FBL trotzten die Schanzer Ducks des ESV Ingolstadt dem Erstligaabsteiger Potsdam einen Punkt ab – der womöglich aber teuer bezahlt war.
FBC München vs. VfL Red Hocks Kaufering
Ihre kleine Serie haben die Red Hocks auf vier Siege am Stück ausgebaut. Dem FBC München blieb ein erstes Erfolgserlebnis nach dem Trainerwechsel von Lasse Ekresryd zu Interims-Coach Federico Vanoni noch verwehrt. Dabei waren es die Gastgeber, die den besseren Start erwischten. München fand nach einem Freischlag die schnelle Seitenverlagerung, Paul Handrich (5.) traf aus der Distanz. Kaufering sah sich zum wiederholten Male in dieser Saison durch eine Standardsituation übertölpelt. „Im ersten Drittel hatten wir etwas Schwierigkeiten und haben schläfrig gewirkt“, räumt RHK-Verteidiger Dominik Thiel ein.
„Die Defensive war auf jeden Fall stabiler als davor, wir sind besser in die Zweikämpfe und Blocks gekommen und konnten die größte Gefahr im Fünf-gegen-Fünf abwehren“, fasst derweil Coach Vanoni nach dem Spiel zusammen. Noch weiter auf Münchener Seite zu rutschen schien die Partie, nachdem Kauferings Lukas Trieb sich in einem ansonsten sehr gesittet geführten Derby für eine Unsportlichkeit eine Strafe von zehn Minuten einhandelte (8.). Zwar nutzte der FBC das Powerplay durch Imo Ziemendorf (9.) auch, zuvor aber meldete Gregor Denk seine Red Hocks erfolgreich im Spiel an: In Unterzahl zog der Angreifer zum Tor – nachdem sein Versuch regelwidrig gestoppt worden war, verwandelte er den fälligen Penalty gleich selbst (8.).
Wie gut dieser erste Saisontreffer nicht nur seinem Team, sondern auch dem Torschützen tat, zeigte sich einige Minuten später: Denk selbst fing einen missglückten Münchener Aufbauversuch ab und ließ sich per Doppelpass von Eetu Simola bedienen – 2:2 (15.).
Im zweiten Durchgang arbeitete sich Kaufering zunächst einige Vorteile heraus, umgemünzt wurden diese aber nur durch Calli Rieß, der einen Abpraller im Powerplay zur ersten Führung der Red Hocks nutzte. Diese habe dem Spiel eine mitentscheidende Wende gegeben, bedauert Vanoni. Sei es doch sein Team gewesen, das unmittelbar zuvor eine Überzahl hatte liegen lassen. „Statt dem 3:2 fiel somit das 2:3.“ Bei diesem blieb es einstweilen auch, München kam erst gegen Ende des Drittels wieder zu mehreren Hochkarätern.
Ein Doppelschlag war es dann, der das Match vorentschied: Zunächst vollendete Jeremias Probst eine schöne Kombination mit Ferdinand Reichenberger aus kurzer Distanz (46.), nur 25 Sekunden später war es schon wieder Denk, der sich einen Ball erackerte und glücklich im Tor unterbrachte. „Beide Treffer wären vermeidbar gewesen“, findet Vanoni, „und danach haben wir das Momentum verloren“. Zur ganz großen Münchener Schlussoffensive kam es nicht mehr, das 3:5 in Überzahl durch Cem Beischl kam 22 Sekunden vor Spielende zu spät.
Die Red Hocks liegen nun erstmals auf einem Playoffplatz, der FBC übernimmt die rote Laterne. Dennoch: „Wir sind gerade auf einem guten Weg und müssen einfach weiter an uns arbeiten und daran glauben, dass wir jeden Gegner schlagen können“, so Vanoni. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis unser junges Team den nächsten Schritt geht.“ Am Derby gefallen habe ihm, dass es nicht so emotional geladen gewesen sei wie noch in der letzten Saison. „Wir alle, Fans, Spieler und Coaches, haben mehr davon, wenn es faire Duelle sind, man sich nach dem Spiel die Hand gibt und gemeinsam die bayerische Fahne in der Bundesliga hochhält. Alle hatten am Samstag glaube ich ein rundum positives Spiel. Dieses Gefühl ist langfristig viel wichtiger als das Ergebnis.“
Am kommenden Samstag treten die Red Hocks im Rahmen der dritten Pokalrunde die weite Fahrt zum MTV Mittelnkirchen an (16 Uhr); der FBC ist bei der zweiten Mannschaft der Floor Fighters Chemnitz gefordert (18 Uhr). Sein Team gehe freilich als Favorit in die Partie, weiß Vanoni. „Es wird ein gutes Spiel, um Gelerntes umzusetzen“, zählt er dazu unter anderem das Offensivkonzept.

ESV Ingolstadt Schanzer Ducks vs. SC Potsdam
Eine Comeback-Story ist dem ESV Ingolstadt gelungen, dergegen Erstligaabsteiger Potsdam in den letzten zehn Minuten noch einen 2:5-Rückstand aufholen konnte. Im Penaltyschießen setzten sich dann die Gäste durch. In der Overtime verloren die Schanzer Ducks außerdem eine wichtige Offensivstütze: Michael Bachmann musste nach einem Zusammenprall ins Krankenhaus. „Er hat sich eventuell schwer am Knie verletzt“, spricht Coach Johannes Schönmeier von einem Schockmoment.

Der Start sei sehr schwungvoll verlaufen, blickt der ESV-Trainer auf den Beginn der Partie. „Wir wollten den Gegner mit gezielten Movements im Aufbau vor Fragen zu stellen.“ Gegen den Ball verordneten sich die Schanzer ein giftiges Gegenpressing und ein aggressives Anlaufen, gleichzeitig aber eine stabile Kompaktheit. „Wir wollten viele direkte Eins-gegen-Eins-Momente beziehungsweise Doppelmomente provozieren“, so Schönmeier. Tim Rossié schenkte den mit nur neun Feldspieler angetretenen Gästen bereits nach 56 Sekunden das 1:0 ein.
Halten konnte Ingolstadt dieses Level zunächst aber nicht. „Ab der Hälfte des ersten Durchgangs waren wir zu nachlässig in der Defensive“, sah Schönmeier die prompte Quittung für sein Team. Oskari Savolainen (15.), Aushilfs-Feldspieler Hendrik Saß (18.) und 20 Sekunden vor der Pause auch noch Christoph Ort (20.) stellten auf 1:3.
Der zweite Durchgang sei dann wieder viel besser gelaufen, lobt Schönmeier die Reaktion seiner Ducks. „Wir haben viele hohe Ballverluste provoziert.“ Zwar zahlte sich das mangels Chancenverwertung noch nicht aus – stattdessen legte Ort sogar noch für Potsdam nach (24.) – doch die Tendenz stimmte wieder. Denn das letzte Drittel sei vielleicht das Beste gewesen, „das ich je gesehen habe von diesem Team“, freut sich der ESV-Coach. „Wir haben das Spiel teilweise sehr gut im Griff gehabt und uns viele Chancen rausgespielt. In der Defensive ließen wir kaum etwas zu und hatten mit unserem jungen Goalie Matej Blanarik einen extrem sicheren Rückhalt.“
Das 2:4 durch Maximilian Hager (45.) wusste Savolainen (49.) noch zu parieren. Finn Ernst (51.) leitete dann aber die Zehn-Minuten-Aufholjagd seines Teams mit zwei Treffern durch Julian Hitzler (57., 59.) ein. „Am Ende war es auch ein Stück Wille und wir konnten bei gezogenem Goalie ein Powerplay sowie die darauffolgende Sechs-gegen-Fünf effizient nutzen“, so Schönmeier. Nach einigem Hin und Her in der Overtime entschied Potsdam das Penaltyschießen allerdings für sich.
„Wir hätten uns natürlich gerne uns für das Comeback mit dem Zusatzpunkt belohnt, waren aber einfach zu ineffizient mit unseren Chancen“, fasst Ingolstadts Coach zusammen. Bis auf dieses Manko sowie den Durchhänger im ersten Drittel sei er aber durchaus zufrieden. „Ein besonderes Lob gab es in der Kabine für den Kampfgeist im letzten Drittel, der uns viel Energie gegeben hat – den Punkt nehmen wir am Ende gerne mit.“ Ihre nächste Aufgabe führt die Ducks am 7. November zu Tabellenführer Eisbären Juniors Berlin.


