Bayern – Die Red Hocks Kaufering haben ihren Punktestand in der 1. FBL innerhalb eines Wochenendes verdreifacht. Der Sieg am Sonntag über Dresden war der dritte Erfolg in Serie, nachdem tags zuvor die Floor Fighters Chemnitz niedergerungen worden waren. Der FBC München hielt gegen die beiden gleichen Gegner – in umgekehrter Reihenfolge – mit einer ganz jungen Mannschaft zweimal über weite Strecken gut mit, musste zum Ende aber abreißen lassen. In der 2. FBL mal wieder nichts zu erben gab es für Ingolstadt in Halle.
1. FBL Samstag: VfL Red Hocks Kaufering vs. Floor Fighters Chemnitz
„Was für ein fantastisches Wochenende daheim“, jubelt Kauferings Trainer Henrik Nordström. „Diese beide Spiele zeigen, was passiert, wenn man eine Gruppe von Leuten hat, die bereit und willens sind, füreinander alles zu geben.“ Zweimal schoss sich sein Team einen Vorsprung heraus, zweimal waren in der Folge Penalty-Schüsse und Strafen zu überstehen, zweimal brachten die Red Hocks den Sieg als Außenseiter nach Hause.
Brauchten die Lechfloorballer im vorherigen Saisonverlauf stets eine Vielzahl an Chancen, um etwas Zählbares zu kreieren, so war die Effizienz gegen Chemnitz tadellos. Die Gastgeber gierten nach überfallartigen Angriffen und nutzten diese früh: Johannes Probst fand bei einem Durchbruch im Duell mit Floor Fighters-Goalie Lukas Thieme das kurze Eck (7.), Kapitän Benedikt Föhr (9.) setzte einen Schuss aus längerer Distanz flach ins Netz.
Einziges echtes Kauferinger Manko blieb die Anfälligkeit bei Freischlägen. Weil die Chemnitzer hier schneller schalteten, kamen sie durch Leevi Väänänen (14.) und Jussi-Pekka Raitanen (16.) zu einfach zum Ausgleich.
Im zweiten Drittel lieferten sich beide Teams ein Spiel auf Augenhöhe, Treffer gab es nur einen: Miro Akerlund traf im Nachsetzen aus dem Halbfeld. Nachdem Kauferings Jeremias Probst im Schlussdurchgang einen weiteren Distanzschuss (43.) erfolgreich anbrachte und Hannes Langenstraß (45.) rasch den Anschluss für Chemnitz markierte, folgte die hektischste Phase des Spiels: Zunächst vergab Aatu Tommila (49.) per Penalty die größte Chance zum Ausgleich, danach hatten die Red Hocks um Schlussmann Dominik Bürger noch zwei Strafzeiten (50., 53.) zu überstehen.
„Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung“, lobt Torwart Raphael Landherr, dessen Ausfalldauer nach seiner Verletzung aus dem Leipzig-Spiel wohl im Lauf dieser Woche bekannt wird. „Wechsel für Wechsel, Drittel für Drittel, das ganze Spiel über haben wir unsere Abwehrarbeit erledigt“, lobt Coach Nordström. „Auch wenn es eng wird, gerät keiner in Panik, niemand wird nervös uns es gibt absolut kein Ego. Vorne haben wir die Tore geschossen, die wir zum Sieg brauchten.“ Sieben Sekunden vor Schluss machte Jeremias Probst mit einem Schuss in den leeren Kasten den 5:3-Endstand fix.
1. FBL Samstag: FBC München vs. Unihockey Igels Dresden
Junges Münchener Talent auf der einen Seite, tschechisch verstärkte große Dresdener Routine auf der anderen. Über zwei Drittel hielten die Hausherren stark mit. Das findet auch FBC-Coach Lasse Ekesryd: „Wir wollten eng und griffig verteidigen.“
Imo Ziemendorf legte bei einem gedankenschnellen Angriff vor (8.). Zwei zu sorglose Angriffsbemühungen bestrafte Dresden zwar umgehend durch zwei mustergültige Konter, an deren Ende jeweils Marek Mandler einnetzte (10., 13.), doch glich Moritz Unterberger (19.) halbhoch noch vor der ersten Pause wieder aus.
Im zweiten Durchgang dann ein ähnliches Bild. Selten einmal setzte sich ein Team länger fest. Ärgerlich aus Münchener Sicht war das 2:3 durch Tomas Nushart in eigener Überzahl. Richard Kellenberger (34.) glich wieder aus. „Unsere Konter waren eine Gefahr für Dresden“, hält Ekesryd fest.
Doch galt das auch anders herum und mit fortlaufender Spieldauer erwischten die Igels die vorwärts preschenden Münchener ein ums andere Mal empfindlich. „Dresdens Schlussdrittel hat dann den Unterschied gemacht“, fasst Ekesryd zusammen.
Nachdem Routinier Daniel Hulic auf 3:4 stellte, lauerten die Igels in Unterzahl schon wieder erfolgreich. Patrik Rozkovec rannte auf und davon – 3:5 (47.). Davon erholte sich der FBC letzlich nicht mehr. Zwar nutzte Kellenberger das restliche Powerplay noch zum erneuten Anschluss (47.) – Jakub Pecha (50.), Nushart (52., PP) und Rozkovec (55.) zogen dem FBC dann aber den Zahn. Beim Stand von 4:9 war Schluss. Dennoch: Mit der Entwicklung über das Spiel hinweg sei er zufrieden, so Münchens Coach.
1. FBL Sonntag: VfL Red Hocks Kaufering vs. Unihockey Igels Dresden
Zwischen Kaufering und Dresden wurde es zu Beginn des letzten Drittels kurios. In einem niemals giftigen Spiel häuften die Igels binnen kurzer Zeit so viele Strafen an, dass sich den Red Hocks ein Powerplay nach dem anderen bot – teilweise in zweifacher numerischer Überlegenheit.
Zu Beginn entwickelte sich ein Match auf Augenhöhe, bei dem die routinierten Gäste ihre Stärken aber besser auszuspielen wussten. Kauferings Attacken endeten meist früh, gleichzeitig mussten sich die Red Hocks höllisch hüten, der wohl stärksten Kontermannschaft der Liga nicht ins offene Messer zu laufen. Weil die Gastgeber bei einem Freischlag erneut nicht richtig aufpassten, stellte Florian Schreiber (13.) am Ende eines einstudierten Spielzugs aus ganz kurzer Distanz auf 0:1.
Im zweiten Durchgang zeigte sich, dass die jüngeren Kauferinger Beine den vielleicht entscheidenden Vorteil bringen würden. Die Red Hocks kamen zu einem Plus an Chancen, scheiterten aber zunächst eins ums andere Mal. Ganz anders die Igels: Aus zwei Powerplays machten Milan Tichy (26.) und Jakub Pecha (39.) zwei Tore. Dazwischen hielt Johannes Probst die Kauferinger Hoffnungen durch eine hohe Balleroberung samt endlich erfolgreichem Abschluss am Leben (38.).
Weiter befeuert wurden diese durch die anschließende Strafenorgie. Dresden schleppte bereits eine doppelte Unterzahl ins letzte Drittel. Als dann noch ein weiteres Foul (41.) samt darauffolgendem Reklamieren von Tschechiens Ex-Nationaltorwart Martin Benes (41.) und eine rote Karte für Tichy, der voreilig nach Ablauf seiner Strafe aufs Feld zurückrannte (42.), dazukamen, wurde es eng auf der Strafbank und dauerte es einige Zeit, bis das Geschehen geordnet war. „Das war der Wendepunkt des Spiels“, findet Kauferings Angreifer Eetu Simola.
Zwar hätte sein Team deutlich mehr Kapital aus diesem Dauer-Powerplay ziehen können, immerhin der Anschluss durch Daniel Wipfler (44.) sprang aber heraus. Eine erstmals erfolgreich überstandene Kauferinger Strafe später gelang den Red Hocks dann der entscheidende Doppelschlag: Zunächst erspitzelte Calli Rieß einen Dresdener Aufbaupass, den er zum Ausgleich versenkte (53.), 18 Sekunden später steuerte Jeremias Probst seinen zweiten Gamewinner des Wochenendes bei: Der Youngster zog aus dem Halbfeld ab und überraschte Benes im kurzen Eck – 4:3.
„Wir haben gegen Dresden gezeigt, dass wir trotz einem Zwei-Tore-Rückstand zurückkommen können“, freut sich Coach Nordström. Erneut war noch eine Schlussoffensive zu überstehen und erneut stand die Führung bei einem Penalty auf Messers Schneide, doch Torhüter Felix Schröppel hielt stark gegen Liga-Topscorer Patrik Rozkovec. „Die Spiele boten einige Hürden und Widrigkeit, dennoch hat uns nichts davon aus der Bahn geworfen und wir haben mit sechs Punkten den Jackpot geknackt“, so Kauferings Trainer.
Sonntag: FBC München vs. Floor Fighters Chemnitz
Gleicher Plan, bessere Balance. Das war die Münchener Lehre aus dem Dresden-Spiel, die gegen Chemnitz fruchten sollte. Doch der Start misslang. „Wir sind zu hoch gestanden“, schildert Ekesryd. Chemnitz wusste das auszunutzen. Bereits nach eineinhalb Minuten schickte Aatu Tommila einen Querpass über das ganze Feld, von wo aus Jussi-Pekka Raitanen die Lücke fand. Als erneut Tommila ganz viel Übersicht bewies, stand es durch Magnus-Ernst Scholz bereits 0:2 (10.).
Nachdem der FBC seine Lücken geschlossen hatte, „waren wir im Spiel“, so Münchens Coach. Bezahlt machte sich das nach einem torlosen ersten Drittel aber erst im Schlussdurchgang. Zumindest kurzzeitig. Yannik Zölzer (47.) machte aus einem entblößten Halbfeld das beste und traf zum Anschluss. Die bereits bekannte Kombinationen Tommila–Raitanen zeigte sich aber unbeeindruckt und konterte nur 17 Sekunden später erfolgreich (47.). Mit dem 1:4 durch Hannes Langenstraß (51.) nach einer Hereingabe aus ganz kurzer Distanz war die Nummer dann durch. Leevi Väänänen (53.) legte im Zuge eines Konters noch nach. Den Schlusspunkt setzte Münchens Asko Heinaro mit einer Energieleistung (59.).
„Ich bin dankbar für die Fülle an jungen Talenten“, verweist Ekesryd auf drei weitere Erstligadebütanten an diesem Wochenende – zwei davon im Alter von erst 15 Jahren. „Wir arbeiten weiter mit dem Blick aufs Detail.“ Zu verbessern gebe es trotz guten Fortschritten noch einiges.

2. FBL USV Saalebiber Halle vs. ESV Ingolstadt Schanzer Ducks
Mit 8:19 waren die Schanzer Ducks in der vergangenen Saison am zweiten Spieltag in der 2. FBL in Halle untergegangen. „Ich denke, die Spieler sind genauso motiviert wie ich, den ersten Auswärtsauftritt in der Liga deutlich besser zu gestalten“, hatte Coach Johannes Schönmeier sich diesmal vorgenommen. Dann aber setzte eine Absageflut ein. Krankheiten und Terminkollisionen seien die Gründe gewesen, weshalb sein Team auf der personell letzten Rille bei den Saalebibern aufschlug, schildert der ESV-Trainer. Gerade einmal sieben Feldspieler und einen Goalie konnte er auf dem Spielberichtsbogen aufbieten. „Davon waren 6 Spieler unter 18 Jahren mit zwei Debütanten aus dem Jahrgang 2011.“ Matej Blanarik tauschte die Torhüterkluft gar gegen ein Feldspielerdress – und erzielte später sogar ein Tor.
Mit diesen Vorzeichen sei freilich von Beginn an nur Schadensbegrenzung das Ziel gewesen, so Schönmeier. In puncto Leidenschaft stelle er dem verbliebenen Team ein Kompliment aus. „Genau in diesem Punkt sehe ich uns schon mal einen deutlichen Schritt weiter als in der vergangenen Saison.“ Ein Sonderlob richtet sich an Schlussmann Loan Sebrak, dessen Paraden ein noch höheres Ergebnis als das schlussendliche 13:3 (3:1, 5:0, 5:2) verhinderten, und dessen Auswürfe wichtige offensive Entlastungen initiierten. Den beiden Rookies aus dem Nachwuchs Paul Jungbauer und Sebastian Brey sei eine mehr als ordentliche Premiere gelungen. „Dass mit fortschreitender Zeit sich natürlich das Spiel so gefügt hat, wie es zu erwarten war, hat die Stimmung bei uns wegen des couragierten Auftritts nicht kippen lassen. “

Ausblick
Am kommenden Wochenende ruht der Ligabetrieb aufgrund einer Nationalmannschaftspause. Am Samstag, 24. Oktober, wartet dann in der 1. FBL das Derby in München (18 Uhr). „Ein weiteres ganz wichtiges Spiel“, wirbt Kauferings Simola um die dortige Unterstützung vieler Fans. Der FBC erwarte mehrere Spieler zurück im Training, so Coach Ekesryd. „Mehr Spieler“ muss auch die Ingolstädter Losung in der 2. FBL sein. „Nächstes Spiel – neue Chance“, so Schönmeier. Zeitgleich zum Erstligaderby gelte es daheim gegen Potsdam wieder voll anzugreifen. „Dort gilt es dann zu beweisen, dass wir die nächsten Schritte nun auch in den direkten Duellen gegen die Tabellennachbarn gehen können.“
Foto: Rubenwolf

